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 Der Rahmen ist
das halbe Bild.
Bilderrahmen in der Hamburger Kunsthalle.
von Thomas Sello
Taschenbuch
(1995)
48 Seiten
Preis: DM 9,80
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Buchtipp zum Thema
Im Titel steckt eine Frage, aber
auch eine Provokation, also Fragezeichen und Ausrufezeichen. Man kann allerdings auf
beides verzichten, da es zugleich um die ironische Beschreibung mancher Versuche geht,
unbedeutende oder schwer verkäufliche Bilder durch aufwendige Rahmen zur Kunst zu
erheben. Ein für uns heute amüsanter Auswuchs bestand darin, daß für die einst
wichtigste Kunstausstellung der Welt, den jährlichen "Salon" der Pariser
Akademie, Gemälde bis zum Jahre 1880 in Goldrahmen eingereicht werden mußten.
Manche Künstler fühlten sich durch dieses Ambiente aufgewertet und geehrt, andere gingen
widerwillig auf die Bedingung ein, oder sie ließen in verrückten Rahmenschöpfungen ihre
Phantasie mit dem Goldrausch spielen. Die Impressionisten dagegen zeigten ihre Werke in
weißen Rahmen in einer eigenen Ausstellung - erstmals im April 1874 im Atelier des
Fotografen Nadar.
Aber Bilderrahmen sind nicht nur ein Zugeständnis an Sammler und Publikum. Vom Maler oft
eigenhändig gefertigt oder nach seinem Entwurf vom Rahmenmacher gebaut, erzählen sie
gelegentlich jahrhundertelange Sammlungsgeschichten. Sie sollen den Inhalt nicht nur bei
Transporten schützen. Sondern sie trennen die gemalte Bildwelt von der Wirklichkeit der
Wand und des Raumes. Dies mag besonders wichtig sein, wenn die Bilder dicht an dicht
hängen, wie in Ausstellungen und Sammlungen alter Zeiten. Da hilft der Rahmen, den Blick
des Betrachters zu konzentrieren und die Grenzen der Welt des Bildes so zu schließen,
daß sie sich nur nach vorn, dem Betrachter entgegen öffnet.
Zugleich nehmen die Begrenzungen, in den meisten Fällen als Rechteck gebildet, Einfluß
auf die Wirkung der Malerei, egal, ob es sich um Abbilder der Wirklichkeit handelt, wie in
der Kunst vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn unseres Jahrhunderts, oder um Formen
und Farben frei von der Bindung an die gegenständliche Welt. Die Betonung von Senkrechter
und Waagerechter durch den Rahmen kann das Bild verändern. Und umgekehrt kann die
Betrachtung eines Bildes ohne den üblichen Rahmen für Irritationen sorgen und unsere
Sehgewohnheiten bewußt machen. So versammelte der Schweizer Künstler Remy Zaugg einige
Werke der Hamburger Kunsthalle im Herbst 1992 in einem Raum des Kunstvereins, nachdem er
sie mit neuen Rahmen versehen hatte: Es waren schlichte Leisten, dunkelgrau gestrichen,
von vorn nur in ihrer Stärke von 6 mm als neutrale, präzise Umrandung sichtbar. Die
Wirkung war frappierend, besonders für Besucher, die die Werke von Lovis Corinth, Anita
Rée und Arthur Siebelist in Rahmen kannten, die auf die Bilder "zugeschnitten"
waren. Ein besonderer Reiz war die fehlende Verglasung, die in einem Museum heutzutage
notwendig ist, um die Malerei gegen Luftverschmutzung, Klimaschwankungen und Vandalismus
zu schützen.
Einer der Rahmen von Zaugg blieb im Magazin der Kunsthalle erhalten - man ann seine
Wirkung in der Rahmenausstellung erproben. Ansonsten sind dort us Magazin und
Schausammlung besondere Rahmen vom Mittelalter bis zur oderne zu sehen; man erfährt
vielerlei über das Handwerk des Rahmenbaus, lernt die Spuren und die Qualität der Arbeit
erkennen. |
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